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Unser Storchentagebuch 2003

29. August 2003
Nun sind alle unsere Störche endgültig von ihrem Brutplatz verschwunden. Die Alten hatten ja etwas länger ausgehalten als die Jungen. Auch die meisten anderen Storchenhorste in der Umgebung sind inzwischen "verwaist". Ihre Bewohner sammeln sich nun für den Zug und sind zum Teil auch schon aus unserer Region verschwunden. Zwei Paare gibt es allerdings (in Kunnersdorf Feldhäuser und in Groß Krauscha), die jetzt noch Junge auf dem Nest haben. Das ist schon ungewöhnlich, auch wenn solche Nachzügler in vergangenen Jahren ab und an beobachtet wurden. Wann und mit welchem Erfolg die "letzten Mohikaner" gen Süden aufbrechen, das werden wir noch berichten, danach aber das Storchentagebuch für das laufende Jahr abschließen. Die Kameras werden schon heute abgeschaltet da sie doch nur noch das leere Nest zeigen.

20. August
Offenbar recht glücklich, zum Teil aber doch etwas irritiert sind die Storcheneltern über das nunmehr vollzogene Ausfliegen ihrer Kinder. Seit dem 14. August   läßt sich keiner der Jungen mehr sehen. Nur die Alten stehen ab und an auf dem Horst, putzen sich, zeigen mit dem sogenannten Allopreening (ein gegenseitiges Putzen) oder versuchten Kopulationen, dass sie sich noch lieben, ja sie vollführen sogar manchmal regelrechte "Freudentänze", die dem Tanz der Kraniche gleichen. Sie hüpfen dabei flügelschlagend und zum Teil mit Nistmaterial im Schnabel nach oben und drehen sich in der Luft. Möglicherweise handelt es sich hierbei um ein deplaziertes Verhalten, das durch eine Überlagerung verschiedener Triebe hervorgerufen wird: Die Störche haben inzwischen einen stärker ausgebildeten Zugtrieb, denn bald geht es gen Süden, aber noch Reste des Bruttriebes in sich, und diese "konkurrieren" bei dem beschriebenen Verhalten.

12. August
Nun neigt sich die Nestlingszeit unserer Jungstörche dem Ende entgegen. Einer hat am letzten Donnerstag sein Elternhaus wohl gänzlich verlassen. Seitdem stehen immer nur noch zwei Junge auf dem Horst, allerdings sehr unregelmäßig. Den größten Teil des Tages verbringen sie im Tierpark selbst - die Störche auf unserer Stelzvogelwiese und natürlich das Futter ziehen sie magisch an. Dann starten sie aber auch, kreisen über dem Tierpark und fliegen weiter weg. Wir vermuten, dass sie ihren Eltern in die Neißeaue folgen, um dort nach Nahrung zu suchen. Die Altvögel kann man jetzt auch wieder gemeinsam und ganz allein auf dem Nest beobachten, offenbar sind sie froh, endlich vor der "Rasselbande" Ruhe zu haben.
Inzwischen haben wir die Ergebnisse der Storchenzählung in unserem Gebiet (von Ostritz im Süden bis Zodel im Norden, von der Neiße im Osten bis Buchholz im Westen)   zusammengestellt. Im Vergleich zum Vorjahr mit insgesamt 18 Jungen waren die Weißstörche 2003 etwas erfolgreicher, denn sie konnten 31 Junge großziehen. Das Ergebnis von 2001 (46 Junge) liegt allerdings in weiter Ferne. Das hätte aber nahezu erreicht werden können, wenn nicht in 6 von den 15 in diesem Jahr besetzten Nestern ein bis drei Junge gestorben bzw. aus dem Horst geworfen worden wären. Dies ist offensichtlich mit der extremen Trockenheit und dem dadurch bedingten Mangel an großen Nahrungstieren in Zusammenhang zu bringen. Alles in allem haben wir 40 Neststandorte kontrolliert, von denen 18 mit einem Paar besetzt waren und 11 von einem solchen besucht wurden.

6. August
Inzwischen können zwei der Jungstörche bereits ganz gut fliegen. Sie kreisen sogar schon im Aufwind des Vormittags um den in der Nähe ihres Horstes gelegenen Jacobuskirchturm. Der dritte im Bunde übt noch und rutscht dabei auch schon mal ab, so daß in den letzten Tagen eine der beiden Kameras wieder in eine Schieflage geraten ist. Gestern ist er aber zusammen mit den anderen bereits für längere Zeit "außer Haus" gewesen. Die Eltern füttern natürlich jetzt nicht mehr so regelmäßig bzw. häufig, an einem Tag können es vier, an einem anderen fünf oder acht Fütterungen sein. Trotz der extremen Hitze in den letzten Tagen wird aber kein Wasser für die Jungen mehr herbeigeschafft. Darum sollen sie sich offenbar jetzt schon selber kümmern, wozu können sie sonst auch fliegen.

29. Juli
Unsere jungen Störche wachsen sehr schnell und die Eltern haben immer mehr Arbeit, für alle drei genug Futter zu finden. Aber die Natur ist sehr erfinderisch und unsere Störche haben dies bestätigt. Sehr schnell haben sie entdeckt, dass unsere Tierpark-Störche regelmäßig Futter bekommen. Warum also in die Ferne schweifen, wenn es hier direkt unter der Nase genug Futter gibt. Sie warten, bis die Tierpfleger das Storchenfutter (Küken, Fische) bringen, fliegen dann nach unten, jagen die Tierpark-Störche weg und bedienen sich schamlos.

Die Jungen sind nun langsam fast so groß wie die Eltern und haben ständig Hunger. Fast immer, wenn einer der Altstörche im Nest landet, "betteln" sie um Essen. Das sieht manchmal sehr gefährlich aus. Es ist fast ein Wunder, dass die Eltern noch beide Augen haben. Im Nest sind die Jungen meistens allein, aber ein Altstorch ist immer in ihrer Nähe (Mast oder Schornstein).

Unsere Störche bekommen auch langsam ihre typischen roten Beine, nur die Schnäbel sind immer noch dunkel. Die wichtigste Beschäftigung (natürlich außer Essen) sind jetzt erste Flügelübungen. Das sieht sehr lustig aus. Die Störche schlagen heftig mit ihren Flügeln und machen Sprünge. Wenn dazu noch ein Wind  weht, bleiben sie schon ganz kurz in der Luft. Das kann natürlich auch gefährlich werden, weil sie dabei aus Nest fallen könnten.

3. Juli
... und sie wachsen und wachsen, unsere Storchkinder. Manchmal hat man den Eindruck, dass sie einen regelrechten Wettbewerb um das "dickste Junge" vollführen. Sie ziehen und zerren, sie würgen und schlingen, dass einem als Mensch manchmal ganz anders zumute wird. Wir würden wohl kaum um eine Ringelnatter (gesterm um 14:30) oder ein Graureiherküken (das die Storcheneltern offenbar vom Boden unterhalb der wilden Reiherkolonie im Terpark aufgelesen hatten) mit solcher Inbrunst kämpfen. Bei dem Reiherküken z.B. haben alle drei Storchjunge etwa 6 Minuten lang gestritten, ehe eins schließlich den nahrhaften "Brocken" verschlucken konnte. Auch ansonsten geht es den Nestlingen in unserem Horst recht gut, denn ihre Eltern nutzen als ergiebige Nahrungsquelle inzwischen auch die Storchenwiese im Tierpark, auf der die Tierpfleger ja regelmäßig für die tierparkeigenen Störche mit Hühnerküken, Mäusen, Ratten oder Fisch versorgen.

Ein wenig schwerer werden es dagegen die beiden Jungstörche haben, die wir am 6. Juni aus Cunewalde geholt, dann hier versorgt und schließlich am Montag zusammen mit den Mitarbeitern des Biosphären-Fördervereins in die Storch-Horste von Luppe-Dubrau und Salga II gesetzt haben. Trotz des inzwischen endlich gefallenen Regens gibt es nämlich auf den Feldern der Region in diesem Jahr nicht viele Mäuse, die gerade in der momentanen Aufzuchtphase für die Fütterung der Jungstörche wichtig sind. Übrigens hat sich der Storch, den wir in Luppe-Dubrau eingesetzt haben über seine neuen Stiefeltern gewundert und ganz kräftig nach der Storchendame gehackt als sie zur Fütterung auf´s Nest flog. Zum Glück schlichtete der "Herr des Horstes" gleich darauf und jetzt läuft alles in ruhigen Bahnen. Für diese Beobachtung danken wir Roland Sens, der als Anwohner stets ein wachsames Auge auf seine Störche hat.

26. Juni
Unsere drei Storchenkinder entwickeln sich weiter ganz prima. Inzwischen stehen sie schon regelmäßig auf ihren noch kurzen und dicken Beinen und harren der Fütterungen, die in einem sehr unregelmäßigen Abstand (manchmal sind es nur Minuten, manchmal 3 Stunden) stattfinden. Wenn es so heiß ist wie in den vergangenen Tagen, dann bringen die Eltern auch immer wieder Wasser, das sie den Jungen mehr oder weniger erfolgreich in den Schnabel fließen lassen. Ansonsten werden die Storchenkinder nun auch schon regelmäßig ohne Aufsicht allein im Nest gelassen. Zum Nachtschlaf finden sich allerdings beide Elternvögel ein, um gemeinsam mit dem Nachwuchs von den Anstrengungen des Tages auszuruhen.

Übrigens haben die Verwandten unseres Storchenpaares hier in der Umgebung in diesem Jahr mehr Probleme bei der Jungenaufzucht als sonst. Wir merken dies, wenn, wie gestern, ein aus dem Groß Saubernitzer Nest geworfener Jungstorch mit gebrochenem Flügel bei uns eingeliefert wird oder wenn besorgte Anwohner sich melden, weil die Storcheneltern nicht regelmäßig zur Fütterung kommen.

17. Juni
Unsere drei Storchenkinder wachsen und wachsen. Das ist gut so und auch kein Wunder bei der guten Versorgung durch die Elternstörche. Sie bringen ihnen unter anderem Fisch, Ratten oder Vogeljunge. Gerade heute gab es kurz nach der Futterübergabe einen regelrechten Dreikampf, denn alle drei Jungen haben an einem "Ende" des mitgebrachten Enten- oder Gänsekükens gezerrt, ehe es einer erheischen und mit viel Mühe abschlingen konnte. Zu schaffen macht den Störchen natürlich die weiterhin große Trockenheit und Hitze. Da hilft nur das Heranschaffen von Wasser, ein für Storcheltern sicher nicht ganz so einfaches Unterfangen, denn sie müssen es im nahegelegenen Tierparkteich schöpfen und im Schnabel bzw. Kehlsack bis zum Nest transportieren. Hinzu kommt die Schwierigkeit der Übergabe an die Jungen: Die Altstörche versuchen, es in die Schnäbel gleiten zu lassen, was aber meistens mißlingt, weil die Jungen zu aufgeregt und ja eigentlich darauf ausgerichtet sind, die Nahrung vom Nestboden aufzunehmen. Aber ein wenig von dem Erfrischung spendenden Naß bekommt schließlich jeder ab. Außerden stellen sich die Storcheltern immer so hin (zum Teil mit ausgebreiteten Flügeln), dass ihre Kinder beschattet werden. Übrigens sind die kleinen Kerle seit vergangenen Donnerstag sogar schon in der Lage, auf ihren (allerdings noch wackligen) Beinen zu stehen oder mit ihren kleinen Flügelstummeln zu schlagen, an denen die Blutkiele der Schwungfedern inzwischen gut zu sehen sind.

Die in Cunewalde geretteten Jungstörche entwickeln sich unter der sachkundigen Pflege von Tierpflegerin Manuela Kleemann und Zootierinspektorin Karin Riedel sehr gut, genauso wie das am 9. Juni im Brutschrank geschlüpfte Küken aus Treugeböhla (Eier am 16. Mai eingeliefert).

11. Juni
Unseren drei Jungstörchen geht es gut. Sie werden von beiden Eltern fürsorglich betreut. Hier noch mal eine ausführliche Pressemitteilung zu dem Storchendrama vom 5.Juni.

Storchendramen en masse
Warum in der Lausitz zur Zeit viele Storchenjunge sterben

Im Storchennest auf der Villa des Naturschutz-Tierpark Görlitz war bis vor wenigen Tagen alles in bester Ordnung. Die vier Jungen wurden von ihren Eltern fürsorglich gehegt. Plötzlich und völlig unerwartet schnappte sich dann aber ein Altstorch das kleinste Küken, nachdem es ihn mit einem fast lautlosen Klappern (die Schnäbel der ganz jungen Störche sind nämlich noch sehr weich) zur Nahrungsübergabe animieren wollte. Wie die Ringelnatter, die er in der Woche zuvor seinen Kindern brachte, wurde jetzt das Nesthäkchen von seinem eigenen Vater behandelt: Den Hals des Kleinen im festen Klammergriff des Schnabels, tötete er es durch ein kräftiges Schütteln und ließ es schließlich über den Nestrand nach unten fallen. Das alles konnten die Mitarbeiter des Naturschutz-Tierpark Görlitz in einer Videoaufzeichnung festhalten, die wie die gesamte Jungenaufzucht im Horst auf der Storchenvilla im Internet unter www.storchcam.de zu sehen ist.

Das Töten von Jungen oder gar deren Verschlingen ist nicht nur bei Störchen, sondern auch bei anderen Vögeln und Säugetieren unter dem Namen "Kronismus" bekannt. Der Begriff geht auf eine griechische Sage zurück, nach der der Titan Kronos seine eigenen Kinder verschlang, die ihn nach einer Weissagung um den Thron bringen wollten. Unter ihnen entging nur Zeus diesem Schicksal dank einer List seiner Mutter Rhea.

Bei dem geschilderten Storchendrama, das sich übrigens während der letzten Tage in der Lausitz auch bei anderen Storchennestern abspielte, ging es natürlich nicht um die Thronfolge. Für das aus menschlicher Sicht unverständliche Verhalten gibt es mehrere Erklärungsmöglichkeiten. Der Storchenvater erkannte, dass das kleinste Junge keine Chance zum Überleben hatte, weil es vielleicht krank war. Ein solches Junges erhielten wir gestern (zum Glück noch lebend!), nachdem es von den Eltern wegen eines Plastebeutels am Flügel aus dem Nest geworfen worden war. Die immer noch gängigste Erklärung für den Kronismus besagt, dass die Storcheneltern erkennen bzw. gar ahnen, ob es einen Nahrungsmangel gibt, so dass die Nahrungskonkurrenz der großen Geschwister für die Nesthäkchen zum Problem werden würde. Die Medien greifen die von Fachleuten inzwischen als Mär erkannte Begründung immer wieder gern auf, so erst kürzlich als behauptet wurde, dass durch die große Trockenheit in der Region für die Störche ein Nahrungsmangel entstanden sei. Durch einen Vergleich verschiedener Wetterdaten mit dem in der jeweiligen Region bzw. im betreffenden Jahr festgestellten Bruterfolg von Störchen, konnte man feststellen, dass zahlreiche Nahrungstiere des Weißstorches durch trockenwarme Witterung sogar gefördert werden und so eine größere Zahl von Jungen aufgezogen werden kann (Thomsen et al. 2001). Direkte Jungenverluste durch Unterkühlung und Nahrungsmangel treten vielmehr dann auf, wenn es eine kalte und regnerische Witterung gibt. Die wohl wahrscheinlichere Erklärung für das Töten der eigenen Jungen ist eine andere: Man konnte feststellen, dass dieses Verhalten vor allem junge Storchenväter zeigen. Unser Storchenmann war offenbar ein solch unerfahrener Erstbrüter, der ganz einfach aus zeitweise mangelndem Brutpflegeinstinkt ein Fehlverhalten zeigte.

6. Juni
Die letzten Tage waren so aufregend und mit Neuigkeiten ausgefüllt, dass wir keine Gelegenheit hatten, etwas in das Tagebuch zu schreiben. Schließlich sind die Störche und die anderen Tierparktiere auch erstmal wichtiger als das Internet. Hier nun einige wichtige Dinge im Telegrammstil:
...Storcheneltern bringen regelmäßig und ausreichend Nahrung für Junge ...unter anderem Fisch, Kröte, Maulwurf und sogar eine Ringelnatter ...letztere von beiden Altvögeln solange traktiert, gezerrt und gezogen, bis für Storchenkinder schnabelgerecht...Kröte dagegen, jedoch mit Mühe, im Ganzen verschluckt ... Maulwurf wurde schließlich zur (nicht bewältigten) Henkersmahlzeit für Nesthäkchen ... dieses hat Storchvater gestern um 8:30 Uhr getötet und aus Nest geworfen ... mehr dazu weiter unten [video anschauen] ... heute 11:00 Uhr in Cunewalde bei Löbau zwei Storchjunge gerettet ... dort gestern Storchvater in Forellenteich ertrunken ... Mutter war ständig bei Kindern ... konnte so nicht füttern ... deshalb mit Genehmigung der Naturschutzbehörde Entnahme der Jungen ... werden jetzt im Naturschutz-Tierpark Görlitz großgezogen ... in etwa 1-2 Wochen dann in anderen Storchhorst gesetzt...
Und hier noch die Erklärung für das Töten des jungen Storches durch unseren männlichen Altvogel (schauen sie sich dazu die eingeblendete Videosequenz an!): Dieses Verhalten ist nicht nur bei Störchen, sondern auch bei anderen Vögeln und Säugetieren unter dem Namen "Kronismus" bekannt. Dieser Begriff geht auf eine griechische Sage zurück, nach der der Titan Kronos seine eigenen Kinder verschlang, die ihn nach einer Weissagung um den Thron brigen sollten. Unter ihnen entging nur Zeus diesem Schicksal dank einer List seiner Mutter Rhea. Bei unserem Storchendrama ging es natürlich nicht um die Thronfolge. Für das aus menschlicher Sicht unverständliche Verhalten gibt es zwei Erklärungsmöglichkeiten. Der Storchenvater erkannte, dass das kleinste Junge keine Chance zum Überleben hatte, weil es vielleicht krank war oder weil er ahnte, dasss die Nahrungskonkurrenz der großen Geschwister zu groß sei. Die wahrscheinlichere Erklärung ist eine andere: Der Storchenmann ist ein unerfahrener Erstbrüter, der (möglicherweise aus Erfahrungsmangel) ein Fehlverhalten zeigte. Darauf deuten zumindest die bisher zu diesem Verhalten registrierten Beobachtungen bei anderen Storchenpaaren hin.

Nun noch etwas ganz anderes: Am Pfingstmontag findet in unserem Tierpark das 10. Storchenfest statt (ab 14:30), das traditionsgemäß dem Tier des Jahres gewidmet ist. Ab 15:30 wird es dehalb ein Podiumsgespräch über den Wolf geben, bei dem einheimische Fachleute über ihre Erfahrungen mit den 50 km nördlich von Görlitz angesiedelten Wölfen berichten werden.

2. Juni
Jetzt ist das Quartett vollständig. Pünktlich am Samstag (30. Mai) schlüpfte das vierte Küken in unserem Storchenhorst. Wenn ein Storchenjunges aus der Eihülle kommt, hat es eine Körpermasse von etwa 75 Gramm. Bei normaler Entwicklung nehmen die Küken sehr schnell zu, die bei uns zuerst geschlüpften dürften inzwischen fast 200 Gramm wiegen. Den Größenunterschied kann man sehr gut auf dem Bild unserer Storchkamera sehen. Solange das Futterangebot ausreicht und die Eltern genügend Nahrung herbeischaffen können, gibt es auch für die Nesthäkchen keine Probleme. Sie bekommen dann ausreichend von dem am Nestrand oder in die Nestmulde ausgewürgten Futter ab. Momentan machen den Störchen eher die fortwährend hohen Temperaturen und die extreme Trockenheit zu schaffen. Sowohl die Alt- als auch die Jungvögel hecheln häufig mit geöffnetem Schnabel und das bei kühlem Wetter sonst übliche Hudern entfällt zumindest tagsüber fast vollständig. Außerdem beschatten die Storcheneltern ihre Jungen (zum Teil mit ausgebreiteten Flügeln) oder sie schaffen sogar Wasser in ihrem Schnabel heran, um ihnen eine Dusche zu verpassen.

28. Mai
Der dritte Storch ist heute Nacht geschlüpft! Es läuft also alles weiter seinen geregelten "Storchengang". Gestern hat übrigens eine Gruppe von Schülern der neunten Klasse des Görlitzer Gymnasiums Augustum während eines Projekttages im Tierpark das Geschehen in unserem Storchennest beobachtet und Folgendes herausgefunden: Der anwesende Storch hudert seine Jungen und steht etwa alle 20 Minuten auf, um das Nistmaterial zu richten und die Jungen vorsichtig zu beknabbern. In einem Abstand von durchschnittlich einer Stunde kommt der Partner des brütenden Storches und bringt Futter zum Nest, das er am Rand desselben auswürgt. Dann müssen die Storchenkinder schnell sein, denn wenn sie innerhalb von 2 Minuten nicht alles aufgefressen haben, dann schlingt der Altstorch das verbleibene Futter selbst hinunter. Einmal war auch ein ziemlich großer Fisch dabei, der für den Schlund der Jungen zu groß zu sein schien. Mit viel Mühe und weit aufgerissenem Schnäbelchen gelang es dem Storchenküken aber, den Futterbrocken hinunterzuschlucken. Da kann man nur sagen: "Macht weiter so, damit ihr groß und stark werdet!"

 

26. Mai
Heute hat uns die Storchenkamera zum ersten Mal eine echte Überraschung präsentiert: Es lagen nämlich am Morgen zwei Storchenjunge im Nest. Wer genau hinschaut, kann sogar noch die Reste der Eischalen am Nestrand erkennen. Mit dem ersten Jungen hatten wir ja heute gerechnet, dass es nun gestern schon schlüpfte ist auch nichts besonderes, denn die Brutzeit variiert zwischen 32 und 35 Tagen. Dass aber gleich einen Tag später das zweite Küken hinzukam, ist schon sehr ungewöhnlich, weil wir bei unserem Paar einen Legeabstand zwischen den vier Eiern von jeweils zwei Tagen festgestellt hatten. Natürlich sind wir dennoch ausgesprochen glücklich über den Storchen-Nachwuchs. Da geht es uns sicher nicht anders als den Eltern selbst. Sie waren bereits während der Schlupfphase wesentlich aktiver und aufgeregter. Ab jetzt müssen sie sich ja um die Versorgung ihrer Nachkommen mit Futter bemühen. Am ersten Tag nach dem Schlupf bekommen die Jungen allerdings meist noch nichts, danach beginnt aber für die Storcheneltern eine arbeitsreiche Zeit. Zunächst fangen sie Insekten, Regenwürmer oder andere Kleintiere, die die kleinen Jungen ohne Weiteres auch bewältigen können. Drücken wir Ihnen die Daumen, dass alles gut geht, vor allem das Wetter auch mitspielt, damit ihr Nachwuchs bei zu starkem Regen oder anhaltender Kälte ausreichend versort werden kann.

23. Mai
Weil bei unserem Storchenpaar zum Glück alles seinen geregelten Gang läuft, haben wir lange nichts berichtet. Beide Vögel brüten weiter fleißig auf ihren 4 Eiern, klappern ab und zu und bessern das Nest aus. Dies tun sie zum Teil mit Mist, den sie sich von unserem Misthaufen oder den Koppeln holen. Das ist nichts Ungewöhnliches, aber wenn den Tierpflegern  ein solcher Batzen, den die Störche im Flug verloren haben, aus größer Höhe direkt vor die Füße fällt, dann ruft das schon ein wenig Erstaunen hervor. In drei Tagen dürfte es nach unserer Berechnung soweit sein mit dem Schlupf des ersten Kükens. Drücken wir alle die Daumen, das es gut geht!

16. Mai
Manchmal müssen sich die Störche doch ganz schön langweilen. Jedenfalls hat man jetzt in der Brutzeit, wo einer der beiden Paarpartner immer auf den Eiern sitzt und meist vor sich hin döst, einen entsprechenden Eindruck. Aber bekanntlich liegt ja in der Ruhe die Kraft, und die werden unsere beiden Störche ja bald brauchen, wenn es darum geht, für die Jungen Futter zu beschaffen. Übrigens haben uns heute Peter Reuße und Volker Wilhelms aus Treugeböhla  bei Riesa-Großenhain von dem besagten Paar, bei dem einer der beiden Altvögel verunglückte (siehe 12. Mai), zwei Eier übergeben, die wir sofort in den Brutkasten legten. Wir hoffen, dass aus ihnen Junge schlüpfen, die dann einem anderen Wildstorchpaar untergelegt werden.

12. Mai
Nur gut, dass bei unserem Storchenpaar alles seinen "geregelten Gang" läuft. Beide Vögel sind zuverlässige Eltern und Partner. Die halbe Brutzeit ist ja nun schon ohne Zwischenfälle absolviert. Ganz anders sieht es offenbar bei vielen anderen Storchenpaaren in der Region aus. Einige der uns bekannten Nester sind in diesem Jahr gar nicht erst  besetzt, andere nur mit einem Storch, und in Riesa-Großenhain hat sich unlängst ein Storch ein Bein gebrochen, so dass es bei diesem Paar bald zu Problemen kommen wird.

8. Mai
Es ist alles beim Alten, das heißt unsere Störche sind fleißig mit dem Brüten, ab und an mit dem Nestbau bzw. mit Liebesbezeugungen (Klappern, Gefiederkraulen) beschäftigt. Wie anstrengend ersteres bei der aktuellen Wetterlage hier (kein Regen seit Wochen und Tagestemperaturen von fast 30°C!) sein kann, das erkennt man an dem offen stehenden Schnabel des brütenden Storches. Da Vögel nicht schwitzen können wie wir Menschen, müssen sie die überschüssige Wärme über ein Hecheln abgeben. Zum Glück können sich die beiden Paarpartner abwechseln und in den Brutpausen an die Teiche im Tierpark oder in die Neißeaue fliegen, um dort zu trinken und nach Nahrung zu suchen.

5. Mai
Die Mitarbeiterinnen, die bei uns im Rahmen der Aktion 55 bzw. als Freiwillige die Ausstellung "Klapperstorch mein Guter" (siehe dazu www.tierpark-goerlitz.de) betreuen, beobachten auf einer großen Videoleinwand (die natürlich auch Ausstellungsbesuchern zur Verfügung steht!) täglich das Geschehen im Storchennest auf dem Dach der Tierparkvilla. Diese Beobachtungen werden protokollarisch festgehalten, so dass wir immer "auf dem Laufenden" sind. Dennoch werden die hier im Storchentagebuch zu findenden Einträge nicht täglich erneuert, sondern nur dann, wenn sich etwas Besonderes ereignet oder berichtenswerte Dinge hinzukommen. In den letzten Tagen passierte nichts Weltbewegendes. Die beiden Storcheneltern gehen ihrem Brutgeschäft mit großer Akribie und Ausdauer nach. Sie wechseln sich dabei regelmäßig ab, ordnen das Nistmaterial oder schaffen neues heran, klappern miteinander oder kraulen sich zur Festigung der Partnerbindung gegenseitig im Gefieder (sog. allopreening). Die oben genannten Damen formulierten es in ihren Notizen so: " Das Storchenpaar ist sehr ausgeglichen und ausgesprochen zuverlässig bei der Bebrütung ihrer 4 Eier." Weiter so!, können wir da nur hinzufügen.

30. April
Nun liegt auch das 4. Ei im Nest. Wenn alles "planmäßig" verläuft, können wir am 26. Mai mit dem Schlupf des ersten Kükens rechnen.

28. April
Viele Neuigkeiten gibt es nach den aufregenden letzten Tagen zu berichten. Am Freitag waren mindestens zwei fremde Störche in der Nähe, sie umkreisten das Nest und wurden von unseren Störchen zunächst mit Klappern und anderen Drohgebärden (dem sogenannten Flügelpumpen) abgewehrt. Offenbar gab es sogar Versuche der Fremdlinge, am Nest zu landen, denn die daneben installierten Kameras waren völlig verdreht. Heute haben wir sie nun gerichtet und auch die zweite (bereits im März installierte) Kamera zugeschaltet, die nach einer Umschaltzeit von jeweils 12 Sekunden einen genaueren Blick in das Nest erlaubt (Teleobjektiv). Wenn Sie ab sofort also abwechselnd zwei unterschiedliche Ansichten vom Nest auf unserer website sehen, dann hat das seine Richtigkeit. So kann man detailiierter als bisher das Geschehen in unserem Storchennest verfolgen. Zum Beispiel erkennt man inzwischen drei Eier in der Nestmulde, das zweite hatte die Storchendame am Samstag und das dritte heute früh gelegt, also genau wie es sich gehört in einem Abstand von jeweils zwei Tagen. Das Storchenpaar kümmert sich nach wie vor liebevoll um seinen Nachwuchs. Ein Partner brütet und wendet die Eier, der andere schafft Nistmaterial heran und gibt auf mögliche Gefahren Acht (siehe oben). Wenn man genau hinschaut, kann man übrigens die beiden recht gut unterscheiden: Das Männchen ist größer und hat vor allem einen kräftigeren Schnabel, das Weibchen dagegen einen kürzeren und schmaleren.

24. April
Jetzt ist es da - das erste Ei! Wie üblich beginnt das Storchenpaar  gleich mit der  Bebrütung. Das Weibchen probiert aber zunächst noch des Öfteren aus, wie es sich auf dem Ei sitzt. Sie steht zwischendurch auf und schaut nach dem Rechten, während das Männchen weiter Nistmaterial heranschafft und sich liebevoll um seine Gattin bemüht. Er knabbert ihr zärtlich im Gefieder und startet weitere Kopulationsversuche.

23. April
Ostern ist geschafft! Die Störche auf dem Dach der Tierparkvilla hatten es gut, denn sie waren von dem Trubel im Tierpark (fast 5.000 Besucher am Wochenende!) weit weg. Ihnen gefiel aber das herrliche Frühlingswetter genauso gut wie den Tierparkbesuchern. Sie waren in den letzten Tagen ganz fleißig mit der Ausbesserung ihres Nestes und Storchen-Liebeleien beschäftigt. Ein Ei liegt  zwar noch nicht im Nest, aber die Aussichten werden immer besser.

14. April
Seit Sonnabend (12.4.) geht es auf unserem Horst "voll zur Sache". Kurz nachdem die Storchendame eintraf, begannen die beiden sofort mit der Paarung, so daß wir vielleicht bald mit dem ersten Ei rechnen können.

5. bis 11. April
Der erstangekommene Storch (Männchen?) ist leider immer noch allein. Es kümmert sich weiter um den Ausbau des Nestes, aber zeitweise ebenso intensiv um Kontakte zu den Tierpark-Störchen. Diesbezügliche Versuche sind allerdings fast zwecklos, da es sich nahezu ausschließlich um männliche Artgenossen handelt. Dennoch begann der Wildstorch-Mann, auch eine Nestunterlage auf der Tierparkwiese mit Nistmaterial zu belegen. Zum Dösen und Schlafen begibt er sich aber immer noch in luftige Höhe auf seinen angestammten Platz vor der Kamera.
Ihm geht es übrigens genauso wie seinen Artgenossen in der Region, wo bisher nur auf wenigen Nestern beide Paarpartner stehen. Wir hoffen mit Ihnen, dass das angekündigte gute Wetter einen Umschwung bringt. Bei dem Schneetreiben der letzten Tage war wohl auch den anderen Störchen nicht nach Frühling bzw. Heimkehr zumute.

3. und 4. April
Na endlich, jetzt scheint das Männchen unseres Paares endlich angekommen zu sein. Es steht auf dem Horst und beginnt mit den ersten Ausbesserungsarbeiten.

25. März
Wir haben eine zweite Kamera am Nest installiert, die uns einen genaueren Einblick erlaubt. Die Bilder dieser Kamera sind allerdings nur über unseren Videobeamer in der Storchenausstellung "Klapperstorch mein Guter" zu sehen.

21. März
Heute zeigen sich zwischen 7:00 und 8:00 erstmals in diesem Jahr zwei Störche auf dem Nest. Sie sind nur kurz zur Inspektion da und fliegen danach gleich wieder ab.

Senden Sie Ihre E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an: info@tierpark-goerlitz.de
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erarbeitet durch: Christine Schlegel, aktualisiert durch: Annett Buchholz
Stand: 17.01.2007