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Storchentagebuch 2006:
25. August 2006
Seit dem Tag unserer letzten Eintragung am 18. August hat sich kein Jungstorch mehr auf
dem Nest der Tierpark-Villa blicken lassen. Bis gestern Nacht hielt sich noch ein
Altstorch auf dem Horst auf, nun ist unser Storchennest verwaist.
Heute schließen wir unser Tagebuch. Doch die Störche beschäftigen uns weiter: Sieben
der eingelieferten Tiere werden den Winter bei uns verbringen. Sie sind verletzt oder zu
schwach für die weite Reise.
18. August 2006
Storchenalarm auf der Ossietzky-Straße! Der Storch, den unsere Mitarbeiterinnen am Vortag
auf das Dach der Tierpark-Villa gesetzt hatten, ist wieder auf einem Nachbargrundstück
notgelandet. Nun haben wir uns entschlossen, dass dieses Tier im Tierpark überwintert und
erst im nächsten Frühjahr freigelassen wird. Offensichtlich reichen seine Kräfte für
lange Flugstrecken noch nicht aus.
Aus dem Biosphärenreservat erhielten wir gute Nachrichten: Die am 15. August
ausgewilderten Störche halten sich noch in der Nähe von Milkel auf. Ihnen haben sich
noch weitere Jungstörche angeschlossen.
17. August 2006
Nach gründlicher Untersuchung des gestern eingefangenen Storches konnten wir zum Glück
nur einen abgebrochenen Blutkiel feststellen. Dieser hatte die Blutspuren am Gefieder
verursacht. Deshalb entschlossen wir uns, den Jungstorch wieder auf das Dach der
Tierpark-Villa zurückzusetzen.
Außerdem kreisten heute nachmittag fünf fremde Störche über unserem Horst und haben
die Jungtiere zum Mitkommen aufgefordert.
16. August 2006
Gegen 18.15 erreichten uns aufgeregte Anrufe von Tierparkanwohnern. Auf einem Grundstück
in der Ossietzky-Straße läuft ein blutender Storch mit schwarzem Fußring herum. Unser
Verdacht, dass es sich dabei um einen Jungstorch von der Tierpark-Villa handelt, hatte
sich leider bestätigt. Eine Tierpflegerin holte den Storch in der Nachbarschaft ab und
setzte ihn über Nacht in die Quarantänevoliere. Die drei Schwerverletzten vom Vortag
haben zu unserer Freude selbstständig gefressen und sind ohne fremde Hilfe aufgestanden.
15. August 2006
Unser "Storchenkrankenhaus" konnte heute sogar vier gesunde Störche in
Richtung Freiheit entlassen. Im Gegenzug erhielten wir aber drei schwerverletzte Tiere von
den Mitarbeitern des Biosphärenreservats Mückaer Heide- und Teichlandschaft (zwei davon
mit Beinfrakturen und einer mit doppelter Flügelfraktur). Unser Tierarzt Herr Thomas nahm
sich sofort der drei Schwerverletzten an, legte Gips an und musste einen Flügel
amputieren.
14. August 2006
Zwei Jungstörche haben bereits ihr Nest verlassen. Leider mussten wir einen davon heute
verletzt vom Gelände der KEMA abholen. Er prallte vermutlich gegen ein Gebäude und
verletzte sich dabei das Kniegelenk. Wir hoffen, dass er nach einigen Tagen Ruhe in
unserer Quarantäneabteilung noch den Abflug in Richtung Afrika schafft. Zur Zeit haben
wir sieben weitere "Pfleglinge", die wir verletzt oder völlig geschwächt aus
der näheren Umgebung bekommen haben. Drei dieser Tiere können wir morgen gesund im
Biosphärenreservat Lausitzer Heide- und Teichlandschaft auswildern. Vier Störche werden
vermutlich wegen noch nicht ausgeheilter Verletzungen oder Schwäche bei uns überwintern
müssen.
2. August 2006
In den letzten Tagen konnten wir die Jungstörche bei ihrem täglichen Flügeltraining
beobachten. Nun wird es sicher nicht mehr lange dauern, bis sie für immer ihr Nest
verlassen.
24.Juli 2006
9.00 Uhr: großer Schreck - es sind nur noch 3 Jungstörche im Nest. Dann gibt es
aber Entwarnung, der vierte Storch steht auf dem Dachfirst der Tierparkvilla und kehrt
nach einer halben Stunde zu seinen Geschwistern zurück. Die Unruhe der Störche hat sich
stark reduziert. Das Ektoparasitenmittel hat offenbar gut gewirkt. Die Storcheneltern
holen sich nach wie vor täglich 5 bis 7 kg Futter im Tierpark.
21.Juli 2006
7.30 Uhr legen wir wieder die Leiter am Horst an und behandeln die 4 Jungstörche
gegen Ektoparasiten, da wir die ständige Unruhe und den Juckreiz bei den Tieren beobachte
hatten. Außerdem verteilen wir wegen der großen Hitze und Trockenheit 10 Liter Wasser.
Zum Schluss geben wir noch eine große Schüssel mit Fisch und Futterkücken als Belohnung
ins Nest.
5. Juli 2006
Heute früh um 7:15 Uhr wurden in Abwesenheit der Altvögel bei sämtlichen Jungstörchen
im Nest Ringe von der Vogelwarte Hiddensee angelegt. Balthasar erhielt die Nr. 'H 3379',
der Jungstorch aus Leuba die Nr. 'H 3376' und die beiden anderen Geschwister von Balthasar
die Nr. 'H 3377' bzw. 'H 3378'. Alle vier Jungstörche entwickeln sich prächtig. Als
Belohnung für die "Beringungsstrapazen" haben wir eine Schüssel Fisch/Küken
ins Nest getan. Das Futter wurde sofort mit großem Appetit verschlungen.
29. Juni 2006
Heute vormittag um 10 Uhr haben wir 2 Jungstörche in unseren Horst auf der Tierparkvilla
gesetzt.
Zum einen den kleinen Storch "Balthasar", der am 9.6. von seinen Eltern fast aus
dem Nest geworfen wurde und zum anderen einen Jungstorch aus Leuba. Dieser wurde am 12.6.
von seinen Eltern aus dem Nest geworfen und landete in einer Dachrinne. Aufmerksame
Dachdecker haben ihn gefunden und zu uns gebracht. Bisher kümmern sich die Storcheneltern
sehr liebevoll um ihre nun mittlerweile 4 Zöglinge. Die Nahrungssuche ist ja auch nicht
allzu aufwendig, da sie sich den größten Teil ihres Futters direkt aus dem Tierpark
holen.
9. Juni 2006
Einen herzlichen Dank an alle aufmerksamen Storchennest-Beobachter ... damit haben sie dem
kleinen Kerl das Leben gerettet.
Als wir heute früh nachgesehen hatten, war noch alles in Ordnung, das heisst, alle drei
Jungen lagen in der Nestmulde wie es sich gehört.
Nach den eMail-Hilferufen haben wir die Kamera bei uns am PC gleich nochmal auf
"Lifebild" geschaltet, so dass wir genau sehen konnten, wie das Storchweibchen
nach dem am Rand liegenden Jungen hackte, und zwar genau in derselben Art, wie das der
Storch im Jahr 2003 schon einmal bei uns tat als er ein Junges aus dem Nest beförderte.
Siehe dazu das pdf-Dokument (311 KB) aus unserer Jahreszeitschrift CICONIA. Deshalb sind
wir sofort gestartet und haben das Junge aus dem Nest genommen. Es wird jetzt für 1-2
Wochen von uns aufgepäppelt und dann wieder in das Nest gesetzt, so dass danach
hoffentlich wieder alles seinen natürlichen Gang laufen wird.
7. Juni 2006
so ... alle drei Küken sind geschlüpft und werden von ihren Eltern gut umsorgt.
2. Juni 2006
Das erste Küken ist nun doch schon vor der geplanten Säuberungsaktion geschlüpft. Um
keine Unruhe auf dem Horst zu verbreiten, haben wir uns entschieden, die Kartoffelnetze
erst einmal auf dem Horst zu belassen.
1. Juni 2006
Unser Storchenpaar hat in den letzten drei Wochen fleißig auf seinen drei Eiern
gebrütet. Heute haben wir festgestellt, dass die beiden Storcheltern zwei Kartoffelnetze
oder ähnliches in das Nest getragen haben. Da am Wochenende mit dem Schlupf des ersten
Jungen zu rechnen ist, und wir nicht wollen, dass dieses sich in dem Plastikgewirr
verfängt, wollen wir morgen früh gegen 9:30 Uhr eine kurze Säuberungsaktion am
Storchenhorst vornehmen. Also wundern Sie sich bitte nicht, wenn sich plötzlich statt der
Störche ein Mann am Nest zu schaffen macht.
Neulich haben wir auch eine nette Zuschrift von den Storchenfans aus dem
'Storchennest-Forum' bekommen. Vielen Dank dafür!
7. Mai 2006
... und das 3. Ei ist da. Liegt am 9. Mai ein 4. Ei im Nest?
5. Mai 2006
Wie erwartet ... liegt heute das 2. Ei im Nest.
3. Mai 2006
Das erste Ei ist gelegt. Da die Störche ihre Eier im Abstand von 2 Tage legen, müsste am
5.5. das zweite Ei zu sehen sein.
25. April 2006
... na endlich! Die Partnerin unseres Storchenmannes ist heute früh (gestern abend?)
angekommen. Sie kann sich freuen, denn seit seiner Ankunft am 3.4.06 war er ganz fleißig
mit dem Ausbessern und Wiederherrichten des Nestes beschäftigt. Er brachte viele neue
Äste und auch schon Grassoden (Grasnarben), um es der Dame seines Herzens gemütlich zu
machen.
Na dann hoffen wir mal, dass sie das honoriert und zusammen mit ihm in diesem Jahr ganz
viele Storchenkinder aufzieht.
5. April 2006
Guten Tag, liebe Storchfreunde, seit heute vormittag läuft nun unsere Technik wieder, so
dass Sie die diesjährigen Ereignisse am Görlitzer Storchen-Nest fast von Anfang an
verfolgen können. Unser Storchenmann (großer kräftiger Schnabel) ist vorgestern
Nachmittag um 17:00 das erste Mal auf dem Nest gelandet. Gestern wurde erst einmal
"rein Schiff" gemacht und heute erkundete er die Horstumgebung, landete auf der
Storchenwiese im Tierpark neben seinen Artgenossen und auch auf einem Baumstumpf am
Affenhaus, den ein Jungstorch vor vier Jahren mit einem Nestanfang gekrönt hatte. Anhand
der Nahaufnahme der Storchenkamera konnten wir übrigens sehen, dass der Erstankömmling
nicht beringt ist. Wir wissen also nicht, ob er sich in Görlitz schon auskennt oder ab er
gänzlich neu ist. Der erwähnte Besuch auf dem Baumstamm am Affenhaus und seine gar nicht
hektische Reaktion auf unsere Annäherung deutet eher auf ersteres hin. Wenn auch unser
großer Teich in der Tierparkschlucht immer noch eine Eisschicht hat, so ist der Frühling
andernorts doch endlich eingezogen und wir hoffen mit dem Storchenmann, dass dies bald
auch eine Storchendame tut.

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