Die Scharnierschildkröte ist das „Zootier des Jahres 2018“

Einige asiatische Schildkrötenarten sind im Freiland bereits ausgerottet oder nur noch in geringen Beständen vorhanden. Dieses Schicksal teilen auch die Vertreter der Gattung der Scharnierschildkröten (Cuora spp.), zu der 13 Arten zählen.

Das Artenschutzprojekt „Zootier des Jahres 2018 - die Scharnierschildkröte“

Vor allem der Lebensraumverlust, besonders aber der exzessive Handel als Nahrungsmittel oder als vermeintliche Medizin macht den Beständen der Scharnierschildkröten sehr zu schaffen. Schildkröten, insbesondere die Scharnierschildkröten, sind traditionell Bestandteil der chinesischen Medizin und Küche. Die wenigen Zuchtanlagen in Südostasien können den stetig steigenden Bedarf bei weitem nicht decken. Inzwischen werden daher im gesamten südostasiatischen Raum und mittlerweile weit darüber hinaus - bis hin nach Südamerika und Afrika - Schildkröten der Natur entnommen, um die Nachfrage der südostasiatischen Märkte zu decken. Jährlich werden so viele Millionen Individuen - darunter auch stark bedrohte Arten - auf den Märkten zum Verkauf angeboten. Fast alle relevanten Arten stehen kurz vor der Ausrottung oder werden in ihren natürlichen Lebensräumen gar nicht mehr gefunden.

Um diesen besonderen Tieren zu helfen, wurde die Scharnierschildkröte zum „Zootier des Jahres 2018“ gewählt.

Deutschland Schutzprojekt

Das Internationale Zentrum für Schildkrötenschutz (IZS) im Allwetterzoo Münster bedeutet für viele Schildkrötenarten die Chance auf eine Rettung in letzter Minute.

Schildkröten spielen in der südostasiatischen Kultur eine besondere Rolle: sie gelten als Glücksbringer und Symbole für ein langes Leben. Diese eigentlich positiven Eigenschaften werden den Schildkröten aber zum Verhängnis, denn neben der Zerstörung ihrer Lebensräume leiden sie vor allem darunter, dass sie gesammelt und auf Märkten verkauft werden.

Ihr Fleisch, die Innereien oder zermahlene Knochen und Panzer sind Bestandteil der traditionellen Küche und Medizin. So wandern jährlich Millionen von Individuen in die Küchen und Apotheken – ein Eingriff den die natürlichen Populationen nicht kompensieren können.

Aus dieser Situation heraus haben der Privatmann Elmar Meier, die Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz (ZGAP), die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) und der Allwetterzoo Münster 2003 das Internationale Zentrum für Schildkrötenschutz gegründet. Ziel des Zentrums ist es insbesondere die akut bedrohten Arten der Scharnierschildkröten vor der Ausrottung zu retten.

Neun Arten und Unterarten der Gattung Cuora werden gerade im IZS gezüchtet. Mindestens eine dieser Arten hat das IZS vor der Ausrottung bewahrt: Zhoui’s Scharnierschildkröte (Cuora zhoui) war nur von wenigen Individuen bekannt, die auf chinesischen Märkten gefunden wurden. Nur in Münster gelang die nachhaltig erfolgreiche Zucht der Art, so dass heute ca. 70% des bekannten Weltbestandes in Münster aus dem Ei geschlüpft ist. Im letzten Jahr gelang dann eine ganz besondere Nachzucht: die ersten Individuen deren Elterntiere selber bereits im Zoo geboren wurden sind geschlüpft. Dieser Erfolg zeigt, dass die Art nachhaltig in menschlicher Obhut stabilisiert werden kann, denn an eine Auswilderung ist bisher nicht zu denken.

Kambodscha Schutzprojekt

Das Angkor Centre for Conservation of Biodiversity (ACCB) wurde 2003 als eine der ersten Artenschutzstationen in Kambodscha gegründet. Unweit der berühmten Tempelanlage von Angkor Wat gelegen widmet es sich der Aufnahme und Pflege ausgewählter einheimischer Tiere und, sofern möglich, deren späteren Auswilderung unter Einhaltung entsprechender internationaler Standards.

Ursprünglich wurde es als Auffangstation für Individuen bedrohter Arten gegründet. Heute widmet sich das Zentrum mit rund 30 Angestellten auch der Erhaltungszucht und der Umweltbildung. Es dient als Schulungs- und Weiterbildungszentrum für die lokale Bevölkerung, Schüler, Studenten, Angestellte der Naturschutzbehörden und Besucher.

Ziel ist es, das Umweltbewusstsein zu steigern und Kompetenzen im Bereich Naturschutz- und Umweltmanagement aufzubauen sowie die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen zu fördern. Auch die Durchführung von in situ-Naturschutzmaßnahmen und naturschutzrelevanter (Freiland-)Forschung in Kambodscha, sowie die Bereitstellung von Informationen für das zukünftige Management der Naturschutzgebiete zählt zu den Aufgaben.

Die Amboina-Scharnierschildkröte wird mittlerweile sehr erfolgreich im ACCB in Freilandanlagen unter naturnahen Bedingungen gezüchtet. Da bereits über 100 Jungtiere großgezogen wurden, kann nun darüber nachgedacht werden, die Tiere in einem gut geschützten Gebiet unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten auszuwildern.

Hier beginnen aber die Probleme, denn neben den entsprechend geschützten Lebensräumen fehlen derzeit auch die Erfahrungen in der Auswilderung von Scharnierschildkröten. Telemetrie-Studien sollen dabei helfen die Art und ihre Ansprüche in der freien Natur besser zu verstehen. Dabei sollen nicht nur Daten über die bevorzugten Lebensräume, sondern auch über die Abwanderung, die Größe der Territorien und das Verhalten gesammelt werden.

Diese Studien sind wichtig, um die Erfolgsaussichten späterer Wiederansiedelungen zu erhöhen und damit auch die Chancen, dass sich die Art in den dortigen Lebensräumen wieder etabliert.

Durch die Unterstützung der „Zootier des Jahres“-Kampagne sollen in Kambodscha möglichst gute Bedingungen für die Auswilderung und das anschließende Monitoring der Tiere geschaffen werden.

Weitere Infos gibt es auf der Zootier des Jahres Homepage

Zootier des Jahres 2018

Zootier des Jahres 2018 - Der Klappmechanismus

Zootier des Jahres 2018